Samstag, 8. August 2009

6. Etappe: Landstuhl - Homburg

Heute morgen sind wir sehr früh aufgebrochen. Hatten heute doch eine längere Strecke zu bewältigen. Der Abend gestern war einfach viel zu viel. Hat dieser uns doch ein bisschen aus unser Welt herausgerissen.

Das Frühstück war schnell organisiert. Wollten uns auch nicht mehr mit diesem beschäftigen. Einfach los. Den Weg fortführen. Krisca schmiert Brote mit denen man seine Verpflegung eine Woche abgedeckt hätte.


Um Punkt 8h geht es los. Alfred drückt uns die Daumen und wünscht uns Erfolg. Er ist ein Original. Hat einen tiefsinnigen Humor.












Freitag, 7. August 2009

5. Etappe: Finsterbrunnertal - Landstuhl

An einen Abbruch der Tour ist jetzt nicht mehr zu denken. Es gibt keinerlei öffentliche Verkehrmittel und nach dem gestrigen Kraftakt werden wir zuversichtlich unser Ziel erreichen. Es hilft alles nichts. Weitermachen!

Um 7h klingelt der Wecker. Die Fensterscheiben sind beschlagen. Extrem schwüles Klima. Wir sind mitten im Wald und die Funktionswäsche ist nicht getrocknet. Hätten wir ein Biwak im Wald aufgeschlagen wären wir wahrscheinlich im Schlafsack ertrunken. Frühstück gibt es wie gehabt im Naturfreundehaus immer ab 8h. Robert ist seltsam. Er ist in einer komischen Stimmung. Mittlerweile versorgt sich Kasia mit Hansaplast. Ohne die Trekking Sandalen der Frau wären wir gestern sicherlich nicht angekommen.

Vor dem Frühstück will Robert vor das Haus - eine rauchen. Toll die Türen sind noch verschlossen. Lösung des Problems: Hebel für den Notausgang runtergedrückt und wie ein Wunder: Sesam öffne dich - wird der Weg nach draussen frei. Kurz darauf trifft auch schon der Hüttenwirt mit dem Frühstück ein. Anschiß kassiert. Robert versucht sich rauszureden.

Endlich ist es soweit. Frühstücken. Highlight: Es gab Tomaten. Peter hatte gestern 12 Zecken aufgesammelt. Bei uns bislang: Fehlanzeige! Das lag sicherlich daran, dass die beiden immer vorraus gelaufen sind und den Weg vom gemeinen Holzbock freigeräumt haben.

Heute wird es eine lockere Tour. Dachten wir zumindest. Nur 18km. Aufbruch. Vorher noch kurz die Pilgerpässe abstempeln lassen. Der Wirt wusste am Vorabend nicht wo sich der Stempel aufzufinden war.

Die noch vom Vortag nassen Klamotten werden mit Hilfe von Karabinern und Wäscheklammern am Rucksack festgebunden. Büstenhalter und Unterwäsche auch. Kasia war es peinlich. Wen stört das? Freiheit pur!


Wir sind alle zusammen aufgebrochen. Peter geht seinem Angebot nocheinmal nach. Er drückt uns formlos einen Hunderter in die Hand. Werden das Geld gleich am Montag nach unserer Rückkehr überweisen.


Auszeit. Mal wieder eine kurze Pilgerpause: Rucksäcke ab, Wasser trinken, eine Pfeife genießen. Immer wenn man eine Bank benötigt wird, ist kilometerlang Ebbe. Eine Pause im Stehen kann auch sehr entspannend sein um neue Energie zu tanken.

Überall auf dem Weg liegen Käfer auf dem Waldboden. Und mit liegen meinen wir liegen. Die Insekten liegen auf ihrem Rücken und mit eigener Kraft kommen sie auch nicht mehr auf ihre sechs Glieder. Tierliebe hin oder her. Zum Umdrehen eines jeden hatten wir auch keine Zeit.


Wir kommen an Gelterwoog vorbei. Einem See in dem Robert und Kasia schon vor Jahren bei einem Tagesausflug gebadet haben. So klein ist die Welt. Den See haben wir damals durch Zufall entdeckt und uns immer wieder gefragt, wo dieser denn war.

Herrliches Panorama und es scheint so als hätte Petrus das Wetter für uns bestellt. Hatte es die zwei Wochen vor unsrem Start doch nur geregnet.

Unterwegs nascht Kasia Waldheidelbeeren. Gab es die ganze Woche doch keine Schokolade!

Im Wald begegnen wir einem älteren Herrn. Wir kommen mal wieder ins Gespräch. Er hat Arthrose und ein künstliches Hüftgelenk. Bewegt auf seinen Leki Stöcken im Schneckentempo. Aller Hand, treibt er doch täglich immer noch Sport.

Um 12h treffen wir wieder auf Christina und Peter. Sie haben mal wieder eine ausgeprägte Pause gemacht. Wenn man so gut auf den Beinen ist, kann man sich diese ja auch leisten. Wir kommen an zwei Quellen vorbei. Es wird herumgealbert. Uns geht es einfach immer noch zu gut. Das Wasser war eiskalt und köstlich. Unsere lauwarmen Wasservorräte versickern im ausgetrockneten Erdboden und wir versorgen uns mit frischem Quellwasser.


Ist Wasser doch das wichtigste was wir täglich bei uns haben. Wie kostbar dieses Gut ist werden wir morgen bitter erfahren müssen. Das Wetter war extrem heiß. Nach einer weiteren Verschnaufpause wird die Fährte zu Peter und Christina wieder aufgenommen. Sind die beiden mal wieder nicht mehr in Sichtweite.


Wir treffen auf das Naturdenkmal "Steigerhofer Eichen". Der Weg ist umgeben von 300 jährigen Eichen, welche sich der Zerfallsphase ihres Lebens befinden. Ein Schild des Forstamtes Kaiserslautern warnt: "Totäste in den Baumkronen können abbrechen und herunterfallen (...) Sie können den Bereich umgehen (...) Benutzung auf eigene Gefahr"

Zum Glück sind wir das Risiko eingegangen. Zu beeindruckend war es, den Blick auf die Baumkronen gerichtet, das Gebiet zu durchqueren.


Wir treffen wieder auf unsere Wegbegleiter und treffen schließlich in Burg Nanstein ein. 1160 durch Kaiser Barbarossa als Sicherungsburg erbaut. Die Sickingen Stadt Landstuhl verdankt seinen Namen Besitzer dieser Burg: Reichsritter Franz von Sickingen.

Wir werden zusammen über eine Stunde pausieren. Es wird gespeist: Kasia bestellt sich eine große Portion Pommes Frittes mit Heinz Ketchup, Christina bekommt eine Riesenportion Käsespätzle und einen Salat. (Nachdem die Bestellung vor einer halben Stunde aufgegeben wurde.)

Unsere Männer, das war ja mal wieder klar, gönnen sich zur Feier des Tages ein Bier.

Der Kellner hält die zu bewirtenden Gäste bei Laune. Ein Mitte 40 jähriger Italiener mit gepflegter Dauerwelle und dem dazugehörigen Charm. Peter ist nur noch am Kopf schütteln. Gute Mine zum bösem Spiel. Die Selbstdarstellung war nach der Tour einfach zu viel! Robert erschleicht sich eine Zigarette von ihm.


Peter verschwindet für eine halbe Stunde in der Burg und macht eine Besichtigung. Robert kann sich irgendwie auch nicht mehr aufraffen und schafft es gerade noch die Treppen der Burg zu erklimmen um einen Pilgerstempel für die heutige Etappe zu holen. Der nette Pförtner hat uns schon aus der Ferne gerufen, ob wir Pilger seinen. Er wird wieder auf die Muscheln an unseren Rucksäcken aufmerksam gemacht worden sein. "Nur bei mir gibt es den offiziellen Pilgerstempel!" Eine schöne Muschel in roter Tinte mit der Aufschrift "Pfälzer Jakobsweg" ziert jetzt unsere Pilgerpässe.


Zusammen brechen wir wieder auf. Berab habe ich imme noch Probleme mit dem Knie und so hinke ich mit gebührenden Abstand hinterher.

Wir werden bei Bekannten von Bekannten nächtigen die wir persönlich noch nie getroffen, geschweige denn gesprochen haben. Unser Gastgeber heute abend: Krisca, sie ist die Bekannte einer Freundin von Kasias Mutter. Sie betreut einen xx jährigen Mann, Alfred und dessen Frau. Christina wird mit Peter in einem Hotel Unterschlupf finden.


Ein letzter Ausblick auf das wunderschöne Panorama von Landstuhl! Was macht denn die Bank jetzt hier?


Den Pilgerstab fest in der linken Hand verankert, versucht man oft seinen eigenen Schatten zu überspringen. Was auch erstaunlich oft gut funktioniert.


Glücklich erreichen wir unser heutiges Tagesziel. Krisca sprang schon bei unserer Ankunft aus dem Haus. Die Frau war einfach der Knaller. Wir werden herzlich mit Küssen und Umarmungen empfangen. Kannten wir die Menschen doch gar nicht.

Wir begrüßen den Opa, der sichtlich erfreut über unseren Besuch ist. Er freut sich bestimmt schon auf die Unterhaltungen und das Bierchen am Abend. Auch seine Frau begrüßen wir. Sie schläft. Sie ist bettlägrig und hat ihr Bett seit 10 Jahren nicht mehr verlassen. Berühren bei der Begrüßung ihre Hand. Sie schlägt kurz die Augen auf und irgendwie bekommt man den Eindruck sie würde stumm "Herzlich willkommen" sagen. Nach diesem kurzen Augenblick, im wahrsten Sinne des Wortes, schließt sie wieder ihre Augen und schläft weiter.

Wir legen unsere Habseligkeiten ab und verschnaufen. Danach gibt es eine gepflegte Dusche.

Krisca wäscht derweil unsere Bekleidung. 30°, kein Weichspüler lautete die Anweisung. Schließlich sollte aus der Funktionsbekleidung auch eine solche bleiben.

Der Tisch war reichlich gedeckt. Zum Abendessen gab es Hähnchenschenkel in einer Wildpilz-Rahm-Sauce. Dazu Nudeln. Meinen Salat bekommt Kasia. Sie hat diesen vermisst und Robert macht sich nicht sehr viel daraus. Fleisch ist sein Gemüse.

Danach geht auf den Balkon. Kasia bekommt ein Massage Fussbad in Salzwasser mit ätherischen Ölen. Sind in einem Wellness Hotel? Als Alfred Kaisas Blasen begutachtete, verstand er die Welt nicht mehr. "Wie geht das? Hast du vorher nicht in die Schuhe gepinkelt?" Albert ist über 2.000km in 40 Tagen bis vor Moskow gelaufen. Er verliert nur kurze Sätze über diese Zeit. Tränen sind in seinen Augen erkennbar. Man kann sich nur glücklich schätzen so etwas nicht miterlebt zu haben.

Im Laufe des Abends plätten Kaisa und Krisca 2 Flaschen Sekt. Robert macht es sich mit Alfred mit einem Bier gemütlich. Es wird viel erzählt.

Alfred ist begeisterter Fussballer! Und heute ist Bundesliga Auftakt. Er hat gegen Fritz Walter gespielt. Sie wollten ihn damals nach Kaiserslautern holen. "Das war mir dann aber doch zu weit" meinte er verschmitzt. Er hat einen feinen Humor und es macht Spaß im zuzuhören. Er zeigt uns Fotos. Horst Eckel, einer unserer letzten Helden der Fussballweltmeisterschaft 1954 kennt er auch. Dieser ist ja in Vogelbach, Bruchmühlbach-Miesau geboren, einem Ort, an dem wir morgen auch vorbeistreifen werden.

Nach der ganzen Ruhe - die letzten Tage auf sich alleine gestellt zu sein, war der Abend irgendwie doch zu viel und zu aufregend. Irgendwie hat es uns aus unserer kleinen Welt heruasgerissen. Wir waren die Hektik nicht mehr gewöhnt.

Nach dem schönen und interessanten Beisammensitzen gehen wir in unser Gästezimmer. Alfred schaut sich noch Bundesliga an. Kurze Tourplanung für morgen, Karten studieren. Noch kurz gestrullert und getwittert, dann heisst es gute Nacht!

Donnerstag, 6. August 2009

4. Etappe: Elmstein - Finsterbrunnertal

Aufgewacht. Um 8h gibt es Frühstück. Wollten wir doch eigentlich schon viel früher aufbrechen. Wir sind die ersten am Frühstücks-Buffet. Dort treffen zwei Pilgerinnen aus Eppelheim! Kasia hatte sie am Vorabend kennengelernt als ich noch verzweifelt nach einem Pilgerstempel in Elmstein gesucht habe. Vermutung: Die pfuschen. Laufen am Tag nur die Hälfte der Strecke und fahren den restlichen Weg mit dem Bus. Pilgern? Wir werden ihnen nie mehr begegnen.

Christina und Peter trudeln ein wenig später ein. Sie setzen sich zu uns an den Tisch und ich gehe mit Peter die heutige Tour durch. Wir haben für den Jakobsweg nur eine Karte (1:50.000) dabei. Peter hat sich mit ganzen 6 Karten vom Pfälzer Wald Verein eingedeckt. Lagebesprechung. Wie gehabt: "Ja, wir werden laufen!" - "Ihr seid brutal"

Und uns ist allen bewusst dass wir uns mitten im Pfälzer Wald befinden. Im Laufe des Tages werden wir bis Johanneskreuz keinem Menschen begegnen. Und einmal auf dem Weg wird es kein zurück mehr geben. Mobiltelefon - Totalausfall. Kein Empfang.

Tourverlauf heute: Elmstein - Speyerbrunn - Johanniskreuz - Oberhammer (War der Oberhammer!) - Naturfreundehaus Finsterbrunnertal.

Heute stellt sich heraus, dass Michael blind ist. Er kommt mit einem Blindenstock in den Speiseraum. Seine Begleiterin bereitet ihm das Frühstück vor. Schon gestern Abend als wir zusammengesessen haben hat Robert ihm die Hand zur Verabschiedung ausgestreckt - Michael hat daneben gegriffen.

Eine 10 köpfige Familie gesellt sich in dem Speisesaal. Merkwürdige Stille. Sind die 8 Kinder doch alle im Alter zwischen 1 und 8 Jahren. Gut erzogen oder streng verzogen?

Kasia bekommt von Michaels Begleiterin Sandalen ausgeliehen. Diese sind heute noch bei uns zu hause. Sie sind nie in Finsterbrunnertal angekommen. Wir kennen ihren Namen nicht, obwohl wir gestern Abend bestimmt 2h zusammen gesessen und geplaudert haben.

Michael stürzt fast auf den Treppen vor dem Naturfreundehaus.

Kasia entschließt sich vorauszulaufen. Wir werden uns in der Stadt wiedertreffen. Peter und ich warten auf Christina. Wo bleibt sie denn?

Durch das gute Kartenmaterial hat Peter eine Abkürzung ins Tal ausfindig gemacht. Steil bergab! Mein Knie! Peter gibt mir seinen Pilgerstock als Dauerleihgabe. Er wird die kommenden Tage mein ständiger Begleiter sein.


In Elmstein angekommen treffen wir - wie verabredet - auf Katharina. Diese hat schon einen längere Pilgerpause hinter sich. Aufbruch. Unsere Wege trennen sich wieder. Ich mache mich mit Kasia zur Sparkasse (Geldreserven aufstocken). Peter und Christina machen sich weiter auf den Camino. Wie sich zeigen wird, werden wir erst wieder im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal auf einander stoßen.

In der örtlichen Sparkasse eingetroffen kommt der nächste Niederschlag. Kasia hat die EC-Karten sowie die Kreditkarte zu Hause liegen lassen! Telefonat mit der Sparkasse Heidelberg zwecks Blitzüberweisung. Kundenberater ist im Gespräch - wir rufen zurück! Da um 11h immer noch kein Rückruf eingetroffen ist beschließt Robert loszulaufen. Für die nächsten 2 Übernachtungen ist noch ausreichend Geld vorhanden. Plan: Robert fährt in zwei Tagen von Landstuhl mit der Bahn nach Hause und organisiert Geld.


Nächste Sitzgelegenheit. Das rechte Knie funktioniert nicht mehr so wie es sollte. Voltaren, Tapes. Es geht weiter. Und bis Johanniskreuz nur bergauf!


Die schon sehr schmalen Pfade werden von Bäumen, welche vom Blitz getroffen wurden versperrt. In Elmstein haben uns Einwohner mitgeteilt, dass der Weg durch das Unwetter Tage zuvor schwer passierbar sei.


Der Weg ist schrecklich und wunderschön zugleich. Immer wieder treffen wir auf umgestürzte Bäume die unseren Weg blockieren.


Der heutige Tag wird der heißeste sein. Glücklicherweise geht es nur durch den Wald. Die Bäume spenden Schatten und es ist angenehm zu laufen.


16h. Wir haben das Haus der Nachhaltigkeit erreicht. Für einen Besuch der Einrichtung können wir uns nicht mehr aufraffen. Da Kasia am heutigen Tag auf leichteren Füßen ist, geht sie dort unsere Wasservorräte auffüllen. Nach einer kurzen Pause - Karte studieren und bandagieren. Geht es dann auch wieder weiter.

Wir haben den höchsten Punkt der Wanderung erreicht. 470 m Höhe nördlich der Mitte des zentralen Massivs des Pfälzerwaldes, und haben erst die gut die Hälfte der Strecke bis zu unserem nächsten Etappenziel bewältigt.


100 Meter später treffen wir auf Johanniskreuz. Dort stoßen wir auf eine Gruppe von belgischen Rentnern beim wandern. Wir kommen mit einem der Wanderer ins Gespräch. Wir unterhalten uns auf französisch. Trotz Roberts weit zurückliegenden Schul-französisch Kenntnissen klappt es erstaunlich gut. Nach einer viertel Stunde geht es jetzt bis Finsterbrunnertal nur noch bergab.


Dank Peters Dauerleihgabe - dem Pilgerstock werden die Knie bergab auch nicht so beansprucht. Es geht jetzt nur noch durch den tiefsten Pälzer Wald. Massive Steine, welche mit einer eingemeisselten Jakobsmuschel versehen sind, säumen unseren weiteren Weg. Das Mobiltelefon hat immer noch kein Empfang und es gibt keine öffentlichen Verkehrmittel, mit denen wir evtl. ein paar Kilometer hätten einsparen können. Durchbeißen lautet die Devise.


Wo ist der Weg? Mitunter kam es vor, dass man den Weg nur erahnen konnte. Diese kleinen Steige und verschlungenen Wegabschnitte machen richtig Spaß und man hat wieder Augen auf die Natur. Wir schleppen uns den Berg hinunter. Es wird kaum ein Wort zwischen uns gewechselt. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Unterwegs begegnen wir bis zu unserer Unterkunft keinem Menschen. Kasia ist erstaunlich fit und läuft vorraus. Sie zieht mich.


Gegen Abend treffen wir im Tal in Oberhammer ein. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Sind wir alleine auf der Welt? Die Stimmung ist beruhigend und der Ausblick entlohnt die Strapazen des Tages.


Weiter geht es über die Karlstalschlucht dem Ziel entgegen. Beindruckend. Bis jetzt ist es unsere schönste aber auch beschwerlichste Etappe gewesen. Wir werden von dem Pfad den Berg hinauf geschickt um anschließend bergab wieder auf dem ursprünglichen Weg zu landen. Meine Knie danken es.


Nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Ziel schleppen!


Es ist 20:30 und wir haben es letztendlich geschafft. Nun kann uns nichts mehr aufhalten. Im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal angekommen kommt uns auch schon Christina entgegen gestürmt. Wir sind überglücklich wieder auf unsere Wegbeleiter zu treffen.

Sie sind 45min vor uns eingetroffen und haben eine ganze Stunde im Haus der Nachhaltigkeit auf Johanniskreuz verweilt.

Nach einer Dose Fischkonserevn mit Brot war aller Kummer wieder vergessen. Kaum zu glauben wie gut so eine Dose Fisch schmecken kann. Es war ein königliches Essen. Man braucht so wenig um glücklich zu sein.

Das Paar aus Magdeburg ist nicht angekommen. Kasia hat noch ihre Schuhe und wir haben keinen Plan wie wir sie ihnen wieder zurückgeben können.

Wir sitzen mit Christina und Peter im Hof und reden über unsere Erlebnisse vom Tage. Der Erfahrungsaustausch am Abend bildet täglich den krönenden Abschluss. Wie gesagt haben wir noch Geld für eine Übernachtung und Robert besteht darauf von Landstuhl nach Heidelberg zu fahren. Peter sagt spontan: Soll ich euch mit 150€ aushelfen? Wir lehnen dankend ab. Kennen uns erst seit zwei Tagen. Fremde Menschen? Christina sagt so schön an dem Abend: "Ihr ward Fremde als wir euch kennengelernt haben." Die kurzen spontanen und zufälligen Begegnungen, der gemeinsame Weg. Das schweißt unglaublich zusammen. Sitzen wir doch alle in dem selben Boot.

Wir setzen uns noch alle zusammen mit einem Bier in den Ausschankraum des Naturfreundehauses. Der Wirt kommt aus Kaiserslautern, ursprünglich jedoch aus den neuen Bundesländern. Er gesellt sich zu uns. Die Gespräche sind interessant und es wird viel philosophiert.

Erschöpft schlafen wir ein dann irgendwann einmal auf unserem Zimmer ein. Keine Kraft mehr die Tourplanung für morgen durchzugehen.

Unsere morgige Etappe wird uns von Finsterbrunnertal über Breitenau, Gelterswoog, Burg Nanstein direkt nach Landstuhl führen.

Mittwoch, 5. August 2009

3. Etappe: Neustadt - Elmstein

Robert wacht um 7h morgens auf und traut sich seinen Augen nicht...


Kasia denkt nur an ihre Wellness. Sie ist bereits mit der Pediküre beschäftigt. Haben ein 2er Zimmer in der Jugendherberge gehabt. Das bedeutet: Etagenbett. Robert hat im Dachgeschoss geschlafen und kommt kaum die Feuerleiter herunter. 1m Höhenunterschied haben es in sich!

Um 7:30h ist dann erst einmal frühstücken angesagt und dieses mal haben wir die Rucksäcke am Vorabend gepackt. Schon beim Frühstück in der Jugendherberge Neustadt a.d. Weinstraße haben wir ein nettes Paar kennengelernt. Christina und Peter. Sie sind auch auf dem Pfälzer Jakobsweg und von Speyer aus gestartet. Unsere Wege werden sich in den kommenden Tagen öfters kreuzen.

Das Frühstück war in Ordnung, jedoch nicht der Knaller. Vielleicht hatten wir beide auch keinen richtigen Appetit und keine Lust. Es wird eine der schwierigsten Etappen werden. Bergauf, Bergab. Und so sind wir früher als sonst aufgebrochen.

Die Route heute: Neustadt - Lambrecht - Frankeneck - Erfenstein - Elmstein


Einige Kilometer - wer sagt es - bergauf! Erreichen wir das Herz-Jesu Kloster um den ersehnten Stempel für den Pilgerpass abzuholen. Ernüchterung: Vor der Pforte des Klosters steht ein Schild: Hausurlaub! Nicht desto trotz drücken wir von jedem Pater die Türklingel. Schließlich öffnet uns eine Dame die Türe. Sie besetzt die Pforte und es wird gestempelt!


Nach dem Herz Jesu Kloster gehts dann mal wieder bergab. Schmale Pfade, steile Abhänge, landschaftlich überwältigend. Unterwegs treffen wir wieder auf Christina und Peter. Wir laufen ein Stück zusammen. Danach laufen sie vorraus. Sie sind schneller.


Roberts rechtes Knie bereitet uns allmählich sorgen. Zum Glück gehts wieder bergauf! Bergab machen die Knie enorme Probleme. Heute läuft Kasia Robert davon. Ein Blick hinter mich und ich bin noch guter Dinge. Ich weiß noch nicht wie mir die Etappe zu schaffen machen wird. Die Pausen werden immer länger und länger.


Gegenüber der Ruine Wolfsburg haben wir die beiden wieder eingeholt. Wir reden miteinander und machen eine kurze Pause. Dann sind unsere Freunde auch schon wieder am Horizont verschwunden.


Der Weg war beschwerlich. Viele Höhenmeter galt es zu überwinden. Wir waren beide angeschlagen und deswegen kamen wir auch nur schleppend vorran. Der Aussicht entlohnt die Mühen. Jetzt geht es wieder bergab.

In Lambrecht angekommen treffen wir wieder auf Christina und Peter. Sie kommen uns mit einem Leberkäs Weck entgegen. Jetzt genau das richtige. Wir stürmen die Metzgerei und tanken die Energie Reserven auf. Mit den anderen beiden Pilgern machen wir aus ausgedehntere Pilger Pause. Dann brechen die beiden wieder auf.

Kasia geniest im örtlichen Eiscafé ihren Latte Macciato und lässt es sich gutgehen. Robert sammelt wieder Extra-Kilometer und macht sich 1.5km auf den Weg zum am Ortsrand gelegenen Lidl um die Wasservorräte aufzustocken. Das Pfand unserer PET Flaschen konnte man am Pfand-Automaten "der Tafel" stiften. Gemacht.


Die Pause in Lambrecht war definitiv zu lange... Um 13h brechen wir auf und haben eine ganze Stunde verbummelt. Etwas 2/3 der Tagesetappe liegt noch vor uns. Wir lassen Lambrecht unter uns liegen. Es geht mal wieder bergauf.

Die Knieschmerzen wurden immer massiver. Verarztung: Voltaren, Knie getaped, es geht weiter.


Warum mache ich das überhaupt?

Die heute Etappe wird Kasias beschwerlichste sein. Sie ist nur noch am weinen. Schmerzen, Selbstzweifel. Robert lässt sich nicht darauf ein und marschiert trotz eigener Probleme weiter. Letzt endlich war das auch die richtige Entscheidung. Hätte er mich nicht ignoriert wären wir wahrscheinlich gar nicht mehr angekommen.


Die Wege wurden immer beschwerlicher. Steinig, schmal, voller Moos. Ab Franckeneck folgen wir dem Bachverlauf des Speyerbach, an dessen anderen Uferseite in den Sommermonaten am Wocheende das "Kuckucksbähnel", eine nostalgische Dampfeisenbahn verkehrt.


Gegen 18h erreichen wir Elmstein. Wir hatten trotz der Mühen das Tempo anziehen müssen. Hier trennen sich dann unsere Wege.

Kasia:

Für mich geht es jetzt 1.5km den Berg steil hoch zum Naturfreundehaus Elmstein. 1.5km = 1.5h. Das macht eine Marsch Geschwindigkeit von 1km/h. Hatten wir doch in den vergangen Tagen durchschnittlich 4-4.5 km/h zurückgelegt. (Robert ist bei der Tourenplanung von der Bundeswehr-Marsch Geschwindigkeit: 6km/h ausgegangen). Nach 700m wird sich erstmal auf einer Bank ausgeruht. Die kam auch wie gelegen (Endlich mal eine Bank die da war wenn man sie braucht)


Endlich das Naturfreunde erreicht! Ernüchterung oder Volltrunkenheit? Beides! Mich begrüßte der Koch der schon gut beisammen war! Und der Hüttenwirt war auch in keinem viel besseren Zustand.

Bei meiner Ankunft stellte er ein Glas Weinschorle (Mischungs Verhältnis schätzungsweise 1:90) auf die Theke. Ich selber dachte - nett - ein Begrüßungs Getränk. Doch weit gefehlt! Ehe ich mich versah und einchecken wollte hat er es schon runtergekippt. Naja.

Letztendlich zeigte er mir das Zimmer und gab mir Tipps für meine mittlerweile sehr lädierten Füße. Im Zimmer ziehe ich meine Schuhe aus. Die Socken sind durchblutet und am Fuß verklebt. Nach der Behandlung, einer Dusche und dem Waschen meiner Bekleidung warte ich auf Robert. Wo bleibt er denn?

Robert:

Ich schleppe mich 2.5km in die Stadt - Stempel und Essen organisieren. Ich kann kaum noch gehen. Es sind nicht die Schmerzen, welche man sich wegdenken kann. Habe die schlimme Befürchtung dass das Knie kaputt ist. Abbruch?


In der Stadt angekommen mache ich mich auf den Weg zur alten kath. Pfarrkirche "Maria Heimsuchung". Die Messe läuft bereits und ich setzte mich mit meinem Rucksack in die hinterste Bank. Kann mich nicht aufraffen zur Kommunion zu gehen. Bin froh dass ich eine Sitzgelegenheit habe.

Im Anschluss an die Messe spreche ich den 70+ jährigen Pastor bezüglich des Pilgerstempels an. Er ist nur Aushilf Pfarrer aber sehr hilfsbereit. Er hört sich vor der Kirche bei der dort versammelten Gemeinde um, wo der Pilgerstempel zu erhalten ist. Ohne Erfolg. Er lädt mich zu einem eiskalten Hefe-Weizen im gegenüberliegenden Biergarten ein und wir reden über unseren Weg.


Letzter Tipp: Evtl. hängt ein Stempel zum selbststempeln vor der "Herz-Mariä Walfahrtskirche" ich pilgere wieder den Berg hoch und nichts. Beschließe jetzt den Pilgerpass vom Naturfreundehaus abstempeln zu lassen.

Mache mich humpelnd auf dem Weg zur Herberge. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht. Mir wurde mitgeteilt: "Es ist Mittwoch - da haben alle Läden geschlossen, nächste Einkaufsmöglichkeit: Neustadt!". Naja total entrüstet geht es weiter.

Bin wieder an der Stelle angekommen an dem sich unsere Wege getrennt haben. Da höre ich eine Frau die ihrem Nachbarn auf dem Balkon zuruft: "Da, hinter der Hecke - ein Pilger! Hast du noch eine Unterkunft frei? Beim Herbert schlafen auch schon zwei Pilgerinnen im Baumhaus dessen Kinder!"

Ich nehme das gar nicht richtig war. Konzentriere mich nur auf meinen Weg und versuche die Schmerzen wegzudenken. Auf einmal fährt ein Auto vor: Maika. Sie war die Frau die ich gehört habe. Bietet mir eine kostenlose Unterkunft bei ihren Eltern (sie war dort zu Besuch). Habe ihr gesagt dass meine Freundin schon im Naturfreunde ist. Sie fährt mich die letzten 1.5km und schenkt mir zum Abschied einen eiskalten! weißen Pfälzer Winzerwein.

Im Naturfreundehaus angekommen bedanke ich mich bei ihr. Es sind diese kurzen Begegnungen und diese Kleinigkeiten, die Hilfsbereitschaft, die einen Tag unvergessen lassen werden.

Gegen 19:50 treffen Kasia und Robert wieder aufeinander.


Wir hatten heute spartanisch gebucht. Es gab Zimmer zwischen 9€ und 15€. Wir haben uns für die günstigere Variante - nicht wegen des Geldes entschieden. Es war äußerst puristisch und trotzdem waren wir beide überglücklich. So langsam wird einem bewusst mit wie wenig man sich nicht nur zufrieden, sondern glücklich schätzen kann. Ein Bett in einer Hütte (O-Ton Hüttenwirt: Sie schlafen heute in der Villa) - was braucht man mehr?

Nachdem Robert letztendlich auch geduscht hat haben wir uns über unsere Konserven gestürzt. Die Küche war bereits geschlossen (es hätte Rumpsteak mit Bratkartoffeln gegeben).

Wir trinken Wein (Kasia hat fast die halbe Flasche geext) Kalt = Erfrischung? Danach geht es zur Lagebesprechung. Kasia hat beide Fersen offen, mein Knie ist kaputt. Abbruch der Tour? Wie geht es morgen weiter.

Die morgige Etappe hat es in sich. Bereits heute haben wir keinen Handyempfang. Busverbindungen gibt es nicht. Wenn wir morgen über Johanneskreuz nach Finsterbrunnertal aufbrechen sollten, gibt es kein zurück mehr.

Abends sitzen wir mit Christina und Peter, sowie dem älteren Pilgerpaar (er heißt Michael), dem wir unterwegs begegnet sind zusammen und reden. Der Hüttenwirt stößt dazu und es wird viel geredet. Wir sind alle sehr erschöpft und lassen ihn erzählen.

Wir beschließen morgen unseren Weg fortzuführen. Und wenn wir auf allen Vieren laufen müssen. O-Ton Peter: "Ihr seid brutal"

Wir gehen in unsere "Villa". Kasia wäscht noch meine Sachen und hängt sie auf. Zwischenzeitlich studiert Robert die nächste Etappe. Wie immer. Bloß nicht an morgen denken!

Zu kaputt ein zweites Bett zu beziehen. Werden heute in einem gemeinsam schlafen.