Mittwoch, 5. August 2009

3. Etappe: Neustadt - Elmstein

Robert wacht um 7h morgens auf und traut sich seinen Augen nicht...


Kasia denkt nur an ihre Wellness. Sie ist bereits mit der Pediküre beschäftigt. Haben ein 2er Zimmer in der Jugendherberge gehabt. Das bedeutet: Etagenbett. Robert hat im Dachgeschoss geschlafen und kommt kaum die Feuerleiter herunter. 1m Höhenunterschied haben es in sich!

Um 7:30h ist dann erst einmal frühstücken angesagt und dieses mal haben wir die Rucksäcke am Vorabend gepackt. Schon beim Frühstück in der Jugendherberge Neustadt a.d. Weinstraße haben wir ein nettes Paar kennengelernt. Christina und Peter. Sie sind auch auf dem Pfälzer Jakobsweg und von Speyer aus gestartet. Unsere Wege werden sich in den kommenden Tagen öfters kreuzen.

Das Frühstück war in Ordnung, jedoch nicht der Knaller. Vielleicht hatten wir beide auch keinen richtigen Appetit und keine Lust. Es wird eine der schwierigsten Etappen werden. Bergauf, Bergab. Und so sind wir früher als sonst aufgebrochen.

Die Route heute: Neustadt - Lambrecht - Frankeneck - Erfenstein - Elmstein


Einige Kilometer - wer sagt es - bergauf! Erreichen wir das Herz-Jesu Kloster um den ersehnten Stempel für den Pilgerpass abzuholen. Ernüchterung: Vor der Pforte des Klosters steht ein Schild: Hausurlaub! Nicht desto trotz drücken wir von jedem Pater die Türklingel. Schließlich öffnet uns eine Dame die Türe. Sie besetzt die Pforte und es wird gestempelt!


Nach dem Herz Jesu Kloster gehts dann mal wieder bergab. Schmale Pfade, steile Abhänge, landschaftlich überwältigend. Unterwegs treffen wir wieder auf Christina und Peter. Wir laufen ein Stück zusammen. Danach laufen sie vorraus. Sie sind schneller.


Roberts rechtes Knie bereitet uns allmählich sorgen. Zum Glück gehts wieder bergauf! Bergab machen die Knie enorme Probleme. Heute läuft Kasia Robert davon. Ein Blick hinter mich und ich bin noch guter Dinge. Ich weiß noch nicht wie mir die Etappe zu schaffen machen wird. Die Pausen werden immer länger und länger.


Gegenüber der Ruine Wolfsburg haben wir die beiden wieder eingeholt. Wir reden miteinander und machen eine kurze Pause. Dann sind unsere Freunde auch schon wieder am Horizont verschwunden.


Der Weg war beschwerlich. Viele Höhenmeter galt es zu überwinden. Wir waren beide angeschlagen und deswegen kamen wir auch nur schleppend vorran. Der Aussicht entlohnt die Mühen. Jetzt geht es wieder bergab.

In Lambrecht angekommen treffen wir wieder auf Christina und Peter. Sie kommen uns mit einem Leberkäs Weck entgegen. Jetzt genau das richtige. Wir stürmen die Metzgerei und tanken die Energie Reserven auf. Mit den anderen beiden Pilgern machen wir aus ausgedehntere Pilger Pause. Dann brechen die beiden wieder auf.

Kasia geniest im örtlichen Eiscafé ihren Latte Macciato und lässt es sich gutgehen. Robert sammelt wieder Extra-Kilometer und macht sich 1.5km auf den Weg zum am Ortsrand gelegenen Lidl um die Wasservorräte aufzustocken. Das Pfand unserer PET Flaschen konnte man am Pfand-Automaten "der Tafel" stiften. Gemacht.


Die Pause in Lambrecht war definitiv zu lange... Um 13h brechen wir auf und haben eine ganze Stunde verbummelt. Etwas 2/3 der Tagesetappe liegt noch vor uns. Wir lassen Lambrecht unter uns liegen. Es geht mal wieder bergauf.

Die Knieschmerzen wurden immer massiver. Verarztung: Voltaren, Knie getaped, es geht weiter.


Warum mache ich das überhaupt?

Die heute Etappe wird Kasias beschwerlichste sein. Sie ist nur noch am weinen. Schmerzen, Selbstzweifel. Robert lässt sich nicht darauf ein und marschiert trotz eigener Probleme weiter. Letzt endlich war das auch die richtige Entscheidung. Hätte er mich nicht ignoriert wären wir wahrscheinlich gar nicht mehr angekommen.


Die Wege wurden immer beschwerlicher. Steinig, schmal, voller Moos. Ab Franckeneck folgen wir dem Bachverlauf des Speyerbach, an dessen anderen Uferseite in den Sommermonaten am Wocheende das "Kuckucksbähnel", eine nostalgische Dampfeisenbahn verkehrt.


Gegen 18h erreichen wir Elmstein. Wir hatten trotz der Mühen das Tempo anziehen müssen. Hier trennen sich dann unsere Wege.

Kasia:

Für mich geht es jetzt 1.5km den Berg steil hoch zum Naturfreundehaus Elmstein. 1.5km = 1.5h. Das macht eine Marsch Geschwindigkeit von 1km/h. Hatten wir doch in den vergangen Tagen durchschnittlich 4-4.5 km/h zurückgelegt. (Robert ist bei der Tourenplanung von der Bundeswehr-Marsch Geschwindigkeit: 6km/h ausgegangen). Nach 700m wird sich erstmal auf einer Bank ausgeruht. Die kam auch wie gelegen (Endlich mal eine Bank die da war wenn man sie braucht)


Endlich das Naturfreunde erreicht! Ernüchterung oder Volltrunkenheit? Beides! Mich begrüßte der Koch der schon gut beisammen war! Und der Hüttenwirt war auch in keinem viel besseren Zustand.

Bei meiner Ankunft stellte er ein Glas Weinschorle (Mischungs Verhältnis schätzungsweise 1:90) auf die Theke. Ich selber dachte - nett - ein Begrüßungs Getränk. Doch weit gefehlt! Ehe ich mich versah und einchecken wollte hat er es schon runtergekippt. Naja.

Letztendlich zeigte er mir das Zimmer und gab mir Tipps für meine mittlerweile sehr lädierten Füße. Im Zimmer ziehe ich meine Schuhe aus. Die Socken sind durchblutet und am Fuß verklebt. Nach der Behandlung, einer Dusche und dem Waschen meiner Bekleidung warte ich auf Robert. Wo bleibt er denn?

Robert:

Ich schleppe mich 2.5km in die Stadt - Stempel und Essen organisieren. Ich kann kaum noch gehen. Es sind nicht die Schmerzen, welche man sich wegdenken kann. Habe die schlimme Befürchtung dass das Knie kaputt ist. Abbruch?


In der Stadt angekommen mache ich mich auf den Weg zur alten kath. Pfarrkirche "Maria Heimsuchung". Die Messe läuft bereits und ich setzte mich mit meinem Rucksack in die hinterste Bank. Kann mich nicht aufraffen zur Kommunion zu gehen. Bin froh dass ich eine Sitzgelegenheit habe.

Im Anschluss an die Messe spreche ich den 70+ jährigen Pastor bezüglich des Pilgerstempels an. Er ist nur Aushilf Pfarrer aber sehr hilfsbereit. Er hört sich vor der Kirche bei der dort versammelten Gemeinde um, wo der Pilgerstempel zu erhalten ist. Ohne Erfolg. Er lädt mich zu einem eiskalten Hefe-Weizen im gegenüberliegenden Biergarten ein und wir reden über unseren Weg.


Letzter Tipp: Evtl. hängt ein Stempel zum selbststempeln vor der "Herz-Mariä Walfahrtskirche" ich pilgere wieder den Berg hoch und nichts. Beschließe jetzt den Pilgerpass vom Naturfreundehaus abstempeln zu lassen.

Mache mich humpelnd auf dem Weg zur Herberge. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht. Mir wurde mitgeteilt: "Es ist Mittwoch - da haben alle Läden geschlossen, nächste Einkaufsmöglichkeit: Neustadt!". Naja total entrüstet geht es weiter.

Bin wieder an der Stelle angekommen an dem sich unsere Wege getrennt haben. Da höre ich eine Frau die ihrem Nachbarn auf dem Balkon zuruft: "Da, hinter der Hecke - ein Pilger! Hast du noch eine Unterkunft frei? Beim Herbert schlafen auch schon zwei Pilgerinnen im Baumhaus dessen Kinder!"

Ich nehme das gar nicht richtig war. Konzentriere mich nur auf meinen Weg und versuche die Schmerzen wegzudenken. Auf einmal fährt ein Auto vor: Maika. Sie war die Frau die ich gehört habe. Bietet mir eine kostenlose Unterkunft bei ihren Eltern (sie war dort zu Besuch). Habe ihr gesagt dass meine Freundin schon im Naturfreunde ist. Sie fährt mich die letzten 1.5km und schenkt mir zum Abschied einen eiskalten! weißen Pfälzer Winzerwein.

Im Naturfreundehaus angekommen bedanke ich mich bei ihr. Es sind diese kurzen Begegnungen und diese Kleinigkeiten, die Hilfsbereitschaft, die einen Tag unvergessen lassen werden.

Gegen 19:50 treffen Kasia und Robert wieder aufeinander.


Wir hatten heute spartanisch gebucht. Es gab Zimmer zwischen 9€ und 15€. Wir haben uns für die günstigere Variante - nicht wegen des Geldes entschieden. Es war äußerst puristisch und trotzdem waren wir beide überglücklich. So langsam wird einem bewusst mit wie wenig man sich nicht nur zufrieden, sondern glücklich schätzen kann. Ein Bett in einer Hütte (O-Ton Hüttenwirt: Sie schlafen heute in der Villa) - was braucht man mehr?

Nachdem Robert letztendlich auch geduscht hat haben wir uns über unsere Konserven gestürzt. Die Küche war bereits geschlossen (es hätte Rumpsteak mit Bratkartoffeln gegeben).

Wir trinken Wein (Kasia hat fast die halbe Flasche geext) Kalt = Erfrischung? Danach geht es zur Lagebesprechung. Kasia hat beide Fersen offen, mein Knie ist kaputt. Abbruch der Tour? Wie geht es morgen weiter.

Die morgige Etappe hat es in sich. Bereits heute haben wir keinen Handyempfang. Busverbindungen gibt es nicht. Wenn wir morgen über Johanneskreuz nach Finsterbrunnertal aufbrechen sollten, gibt es kein zurück mehr.

Abends sitzen wir mit Christina und Peter, sowie dem älteren Pilgerpaar (er heißt Michael), dem wir unterwegs begegnet sind zusammen und reden. Der Hüttenwirt stößt dazu und es wird viel geredet. Wir sind alle sehr erschöpft und lassen ihn erzählen.

Wir beschließen morgen unseren Weg fortzuführen. Und wenn wir auf allen Vieren laufen müssen. O-Ton Peter: "Ihr seid brutal"

Wir gehen in unsere "Villa". Kasia wäscht noch meine Sachen und hängt sie auf. Zwischenzeitlich studiert Robert die nächste Etappe. Wie immer. Bloß nicht an morgen denken!

Zu kaputt ein zweites Bett zu beziehen. Werden heute in einem gemeinsam schlafen.

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