Donnerstag, 6. August 2009

4. Etappe: Elmstein - Finsterbrunnertal

Aufgewacht. Um 8h gibt es Frühstück. Wollten wir doch eigentlich schon viel früher aufbrechen. Wir sind die ersten am Frühstücks-Buffet. Dort treffen zwei Pilgerinnen aus Eppelheim! Kasia hatte sie am Vorabend kennengelernt als ich noch verzweifelt nach einem Pilgerstempel in Elmstein gesucht habe. Vermutung: Die pfuschen. Laufen am Tag nur die Hälfte der Strecke und fahren den restlichen Weg mit dem Bus. Pilgern? Wir werden ihnen nie mehr begegnen.

Christina und Peter trudeln ein wenig später ein. Sie setzen sich zu uns an den Tisch und ich gehe mit Peter die heutige Tour durch. Wir haben für den Jakobsweg nur eine Karte (1:50.000) dabei. Peter hat sich mit ganzen 6 Karten vom Pfälzer Wald Verein eingedeckt. Lagebesprechung. Wie gehabt: "Ja, wir werden laufen!" - "Ihr seid brutal"

Und uns ist allen bewusst dass wir uns mitten im Pfälzer Wald befinden. Im Laufe des Tages werden wir bis Johanneskreuz keinem Menschen begegnen. Und einmal auf dem Weg wird es kein zurück mehr geben. Mobiltelefon - Totalausfall. Kein Empfang.

Tourverlauf heute: Elmstein - Speyerbrunn - Johanniskreuz - Oberhammer (War der Oberhammer!) - Naturfreundehaus Finsterbrunnertal.

Heute stellt sich heraus, dass Michael blind ist. Er kommt mit einem Blindenstock in den Speiseraum. Seine Begleiterin bereitet ihm das Frühstück vor. Schon gestern Abend als wir zusammengesessen haben hat Robert ihm die Hand zur Verabschiedung ausgestreckt - Michael hat daneben gegriffen.

Eine 10 köpfige Familie gesellt sich in dem Speisesaal. Merkwürdige Stille. Sind die 8 Kinder doch alle im Alter zwischen 1 und 8 Jahren. Gut erzogen oder streng verzogen?

Kasia bekommt von Michaels Begleiterin Sandalen ausgeliehen. Diese sind heute noch bei uns zu hause. Sie sind nie in Finsterbrunnertal angekommen. Wir kennen ihren Namen nicht, obwohl wir gestern Abend bestimmt 2h zusammen gesessen und geplaudert haben.

Michael stürzt fast auf den Treppen vor dem Naturfreundehaus.

Kasia entschließt sich vorauszulaufen. Wir werden uns in der Stadt wiedertreffen. Peter und ich warten auf Christina. Wo bleibt sie denn?

Durch das gute Kartenmaterial hat Peter eine Abkürzung ins Tal ausfindig gemacht. Steil bergab! Mein Knie! Peter gibt mir seinen Pilgerstock als Dauerleihgabe. Er wird die kommenden Tage mein ständiger Begleiter sein.


In Elmstein angekommen treffen wir - wie verabredet - auf Katharina. Diese hat schon einen längere Pilgerpause hinter sich. Aufbruch. Unsere Wege trennen sich wieder. Ich mache mich mit Kasia zur Sparkasse (Geldreserven aufstocken). Peter und Christina machen sich weiter auf den Camino. Wie sich zeigen wird, werden wir erst wieder im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal auf einander stoßen.

In der örtlichen Sparkasse eingetroffen kommt der nächste Niederschlag. Kasia hat die EC-Karten sowie die Kreditkarte zu Hause liegen lassen! Telefonat mit der Sparkasse Heidelberg zwecks Blitzüberweisung. Kundenberater ist im Gespräch - wir rufen zurück! Da um 11h immer noch kein Rückruf eingetroffen ist beschließt Robert loszulaufen. Für die nächsten 2 Übernachtungen ist noch ausreichend Geld vorhanden. Plan: Robert fährt in zwei Tagen von Landstuhl mit der Bahn nach Hause und organisiert Geld.


Nächste Sitzgelegenheit. Das rechte Knie funktioniert nicht mehr so wie es sollte. Voltaren, Tapes. Es geht weiter. Und bis Johanniskreuz nur bergauf!


Die schon sehr schmalen Pfade werden von Bäumen, welche vom Blitz getroffen wurden versperrt. In Elmstein haben uns Einwohner mitgeteilt, dass der Weg durch das Unwetter Tage zuvor schwer passierbar sei.


Der Weg ist schrecklich und wunderschön zugleich. Immer wieder treffen wir auf umgestürzte Bäume die unseren Weg blockieren.


Der heutige Tag wird der heißeste sein. Glücklicherweise geht es nur durch den Wald. Die Bäume spenden Schatten und es ist angenehm zu laufen.


16h. Wir haben das Haus der Nachhaltigkeit erreicht. Für einen Besuch der Einrichtung können wir uns nicht mehr aufraffen. Da Kasia am heutigen Tag auf leichteren Füßen ist, geht sie dort unsere Wasservorräte auffüllen. Nach einer kurzen Pause - Karte studieren und bandagieren. Geht es dann auch wieder weiter.

Wir haben den höchsten Punkt der Wanderung erreicht. 470 m Höhe nördlich der Mitte des zentralen Massivs des Pfälzerwaldes, und haben erst die gut die Hälfte der Strecke bis zu unserem nächsten Etappenziel bewältigt.


100 Meter später treffen wir auf Johanniskreuz. Dort stoßen wir auf eine Gruppe von belgischen Rentnern beim wandern. Wir kommen mit einem der Wanderer ins Gespräch. Wir unterhalten uns auf französisch. Trotz Roberts weit zurückliegenden Schul-französisch Kenntnissen klappt es erstaunlich gut. Nach einer viertel Stunde geht es jetzt bis Finsterbrunnertal nur noch bergab.


Dank Peters Dauerleihgabe - dem Pilgerstock werden die Knie bergab auch nicht so beansprucht. Es geht jetzt nur noch durch den tiefsten Pälzer Wald. Massive Steine, welche mit einer eingemeisselten Jakobsmuschel versehen sind, säumen unseren weiteren Weg. Das Mobiltelefon hat immer noch kein Empfang und es gibt keine öffentlichen Verkehrmittel, mit denen wir evtl. ein paar Kilometer hätten einsparen können. Durchbeißen lautet die Devise.


Wo ist der Weg? Mitunter kam es vor, dass man den Weg nur erahnen konnte. Diese kleinen Steige und verschlungenen Wegabschnitte machen richtig Spaß und man hat wieder Augen auf die Natur. Wir schleppen uns den Berg hinunter. Es wird kaum ein Wort zwischen uns gewechselt. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Unterwegs begegnen wir bis zu unserer Unterkunft keinem Menschen. Kasia ist erstaunlich fit und läuft vorraus. Sie zieht mich.


Gegen Abend treffen wir im Tal in Oberhammer ein. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Sind wir alleine auf der Welt? Die Stimmung ist beruhigend und der Ausblick entlohnt die Strapazen des Tages.


Weiter geht es über die Karlstalschlucht dem Ziel entgegen. Beindruckend. Bis jetzt ist es unsere schönste aber auch beschwerlichste Etappe gewesen. Wir werden von dem Pfad den Berg hinauf geschickt um anschließend bergab wieder auf dem ursprünglichen Weg zu landen. Meine Knie danken es.


Nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Ziel schleppen!


Es ist 20:30 und wir haben es letztendlich geschafft. Nun kann uns nichts mehr aufhalten. Im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal angekommen kommt uns auch schon Christina entgegen gestürmt. Wir sind überglücklich wieder auf unsere Wegbeleiter zu treffen.

Sie sind 45min vor uns eingetroffen und haben eine ganze Stunde im Haus der Nachhaltigkeit auf Johanniskreuz verweilt.

Nach einer Dose Fischkonserevn mit Brot war aller Kummer wieder vergessen. Kaum zu glauben wie gut so eine Dose Fisch schmecken kann. Es war ein königliches Essen. Man braucht so wenig um glücklich zu sein.

Das Paar aus Magdeburg ist nicht angekommen. Kasia hat noch ihre Schuhe und wir haben keinen Plan wie wir sie ihnen wieder zurückgeben können.

Wir sitzen mit Christina und Peter im Hof und reden über unsere Erlebnisse vom Tage. Der Erfahrungsaustausch am Abend bildet täglich den krönenden Abschluss. Wie gesagt haben wir noch Geld für eine Übernachtung und Robert besteht darauf von Landstuhl nach Heidelberg zu fahren. Peter sagt spontan: Soll ich euch mit 150€ aushelfen? Wir lehnen dankend ab. Kennen uns erst seit zwei Tagen. Fremde Menschen? Christina sagt so schön an dem Abend: "Ihr ward Fremde als wir euch kennengelernt haben." Die kurzen spontanen und zufälligen Begegnungen, der gemeinsame Weg. Das schweißt unglaublich zusammen. Sitzen wir doch alle in dem selben Boot.

Wir setzen uns noch alle zusammen mit einem Bier in den Ausschankraum des Naturfreundehauses. Der Wirt kommt aus Kaiserslautern, ursprünglich jedoch aus den neuen Bundesländern. Er gesellt sich zu uns. Die Gespräche sind interessant und es wird viel philosophiert.

Erschöpft schlafen wir ein dann irgendwann einmal auf unserem Zimmer ein. Keine Kraft mehr die Tourplanung für morgen durchzugehen.

Unsere morgige Etappe wird uns von Finsterbrunnertal über Breitenau, Gelterswoog, Burg Nanstein direkt nach Landstuhl führen.

1 Kommentar:

  1. Ich will unbedingt dahin! Sieht so schön aus. Habe jetzt viel Zeit frei weil mein Business viel erfolgreicher mit virtuelle datenräume geworden ist.

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